> Das Gänseliesel -
Wahrzeichen von Göttingen
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> 7|07 porträt

Göttingen - Stadt, die Wissen schafft

> Das meistgeküsste Mädchen der Welt und das Zentrum des Universums sind gerade mal fünf Minuten Fußweg voneinander entfernt. Der führt durch die Flaniermeile einer Stadt, die durch ihre traditionsreiche Universität bekannt geworden ist: Göttingen – die „Stadt, die Wissen schafft“, mit bisher 44 Nobelpreisträgern und einem Platz unter den 100 weltbesten Unis (Shanghai-Ranking 2006).

Rund 25.000 Studenten unter insgesamt knapp 125.000 Einwohnern verleihen dem Oberzentrum von Südniedersachsen ein junges Erscheinungsbild. Glaubt man dem Universalkünstler Robert Gernhardt, der hier sein Abitur bestand, liegt das Stadtzentrum nicht nur im Herzen Deutschlands, sondern bildet mit dem zentral gelegenen 'Nabel' und der Skulptur 'Der Tanz' den "Mittelpunkt des Weltalls". Wer der Fußgängerzone Richtung Süden folgt, erreicht rasch den Marktplatz mit dem Göttinger Wahrzeichen: das von frisch gebackenen Doktoren zu küssende Gänseliesel.

"Mais Dieu que les roses sont belle à Göttingen, à Göttingen..." - "Mein Gott, sind die Rosen schön in Göttingen", rühmt die französische Sängerin Barbara in ihrem Chanson den Charme der Stadt. Denn obwohl viele Einwohner nur ein paar Jahre hier bleiben, prägen sie die Leine-Metropole doch auf unvergleichliche Weise. Ein großer Teil des öffentlichen Lebens spielt sich bis heute innerhalb des alten Stadtwalls ab; alle wesentlichen Orte lassen sich per Pedes erreichen, und das Nachtleben konzentriert sich auf wenige, aber umso belebtere Straßen.

Das Panorama der Stadt prägen die Türme der Innenstadtkirchen gemeinsam mit dem "Blauen Turm" des Geisteswissenschaftlichen Zentrums der Uni und dem fast-futuristischen Rathaus-Neubau. Dessen Vorgänger wurde seit dem 13. Jahrhundert in mehreren Bauabschnitten direkt am Marktplatz errichtet und beherbergte bis 1978 Rat und Verwaltung. Heute dient das Alte Rathaus repräsentativen Zwecken, bietet Platz für große Ausstellungen und romantische Eheschließungen und verfügt mit der Tourist Information über die erste Adresse für Göttingens Gäste.

Wo die ältesten Fachwerkhäuser von der Vergangenheit zeugen und welche Spuren Göttinger Persönlichkeiten hinterlassen haben, erfahren die Besucher bei einer der vielfältigen Themenstadtführungen fachkundig. So wird klar, dass es sich bei dem kleinen, buckligen Mann vor dem Rathaus um eine Bronzestatue des Göttinger Universalgenies Georg Christoph Lichtenberg handelt. Wer noch tiefer in die Stadtgeschichte eintauchen möchte, sollte das Städtische Museum besuchen, das mit Dauer- und Sonderausstellungen die Entwicklung des einstigen "Gutingi" zur modernen Unistadt dokumentiert.

Im Jahre 953 erwähnte Kaiser Otto 1. die Siedlung im Leinetal erstmals in einer Urkunde. Archäologische Funde lassen allerdings vermuten, dass sie da schon rund 200 Jahre alt war. Genauer lässt sich historisch belegen, dass die auf der westlichen Flussseite gelegene Burg Pfalz Grona zwischen 941 und 1025 beliebter Aufenthaltsort von Kaisern und Königen war und von Göttinger Bürgern im 14. Jahrhundert zerstört wurde.

Wann deren Siedlung das Stadtrecht erlangte, kann wiederum nur geschätzt werden: etwa um das Jahr 1200, als auch begonnen wurde, die Stadtbefestigung mit Wall und Mauer erheblich auszubauen. Sicher ist, dass Göttingen von 1351 bis 1572 Mitglied der Hanse war. Bemerkenswert sind die zwölf im Stadtarchiv verwahrten, wachsbestrichenen Holztafeln aus dem 14. Jahrhundert, die Bestimmungen der Stadtverfassung dokumentieren.

Um 1400 hatte die Stadt rund 6000 Bewohner, Handel und Handwerk waren die wichtigsten Einnahmequellen. Nach dem 30-jährigen Krieg (1618-1648) und dem daraus resultierenden wirtschaftlichen Niedergang halbierte sich die Einwohnerzahl.

Erst mit der Gründung der Georg-August-Universität im Jahr 1737 ging es wieder aufwärts, die Wissenschaft hielt nachhaltig Einzug. Zweimal besetzten französische Truppen die Stadt: während des Siebenjährigen Krieges (1756-1763) und unter Napoleon von 1803 bis 1805. Wesentliche Oppositionen gab es in Göttingen weder gegen das Preußisch werden (1866) noch während des Regimes der Nationalsozialisten 1933 bis 1945. Nach deren reibungsloser Machtübernahme wurden Menschen jüdischer Abstammung systematisch aus Wissenschaft, Wirtschaft und Verwaltung verdrängt, "undeutsche" Bücher wurden verbrannt, und 1938 ging auch die Synagoge in Flammen auf.

Die alliierten Bombenangriffe hinterließen in Göttingen und seiner Altstadt wenig Schäden. Zusammen mit dem darum als Wall erhaltenen ehemaligen Befestigungsring blieb so bis heute ein historisches Stadtbild erhalten, das einladend mit dem pulsierenden Leben einer modernen Wissenschaftsmetropole harmoniert.



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