> Deutsches Theater - 'Der Zauberer von Oz'
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Happy End aus dem Karton

Das Deutsche Theater präsentiert "Der Zauberer von Oz" - ein Stück nicht nur für Kinder auf der Zeltbühne


> 350 Mäuse pusten, um das Leben eines Mädchens und eines Löwen zu retten. Gern ist man eine von ihnen, folgt mit aufgeblähten Backen dem Geheiß der Königin der kleinen Nager. "Der Zauberer von Oz" begeistert als Premiere des Deutschen Theaters seine vornehmlich jungen Zuschauer, die am Schluss klatschen und mit den Füßen trampeln, in einer warmen Zeltmanege an einem kalten November-Vormittag.

Das Stück für Zuschauer ab sechs Jahren hat Regisseur Joachim von Burchard, kongenial assistiert von Ausstatterin Jeannine Simon, mit den klassischen Zutaten für ein Kinderstück gespickt: Erschrecken und Kreischen, Kunstnebel und Konfetti, Verfolgungsjagden und sich vom Publikum lautstark die richtige Richtung weisen lassen - und dazu singend und tanzend einen musikalischen Klassiker wiederbeleben: "Somewhere over the Rainbow", das Judy Garland in der Verfilmung des Märchenromans 1939 zum Welthit machte, während die Liveinstrumentalisten Jan Exner und Alexander Tripitsis fürs DT eine rhythmische Version schaffen, die eine Schicksalsgemeinschaft à la "die Bremer Stadtmusikanten auf US-amerikanisch" durch die Geschichte führt.

Dorothy (Katharina Dalichau mit unwiderstehlich mädchenhaftem Charme) lebt bei Onkel und Tante auf einer kleinen Farm. Sie wässert den blanken Boden, aber bunte Blumen wollen in der grauen Einöde einfach nicht sprießen. Eines Tages entführt ein Wirbelsturm Haus und Kind weit durch die Luft in ein fernes Land voller ungeahnter Farben und Bewohner.

Dennoch zieht es Dorothy bald nach Hause; auf ihrer Suche schließen sich seltsame Gefährten an: die Vogelscheuche, die gern Verstand hätte (schrecklich schön mit XXL-Beinlänge: Jelena Mitschke), der Blechmann, der ein Herz braucht (Karl Miller zwischen Rost und Schlacks) und der Löwe, der endlich mal Mut haben will (Roland Bonjour als schreckhafte Langmähne). Gemeinsam haben sie nun ein Ziel, die prächtig leuchtende Smaragdstadt, wo einer lebt, der allen mit seiner Magie helfen soll: der Zauberer von Oz.

Gute wie böse Hexen (Johanna Gsell ganz nach Bedarf) nehmen ebenso Einfluss auf das Unternehmen wie die skurrilen, aber hilfsbereiten "Mümmler". Ein vermeintlich ahnungsloser Bauer und Ex-Ballonfahrer entpuppt sich schließlich als Retter (Gerd Zinck zurückhaltend und deshalb besonders wirkungsvoll). Er "zaubert" für jeden ein Happy End aus dem Karton. Das ermöglicht auch Dorothy die ersehnte Rückreise, weil sie jetzt weiß, wie die silbernen Hexenschuhe zu bedienen sind.

75 Theater-Minuten vergehen so quasi "im Fluge", am Ende sind auch die erwachsenen Zuschauer sichtlich auf ihre Kosten gekommen. Unvermeidlich allerdings, dass man die bunte Märchenwelt wieder in Richtung graue Alltagsrealität verlässt...

Foto: Dorothea Heise



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