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> 7|07 göttingen

Altes Rathaus

> Man schreibt das Jahr 1366: Herzog Ernst gestattet den Bürgern, „dat se mughen buwen, setten unde maken ore kophus unde rathus to Gottingen in de straten, wur unde wurvene se willet unde des to rade werdet unde on dat even unde bequeme is“ - sprich: „dass sie bauen, setzen und machen mögen ihr Kaufhaus und Rathaus zu Göttingen an der Straße und auf der Straße, wo und wie weit sie wollen und beschließen und es ihnen recht und bequem ist.“

Aber schon zuvor muss der Bau begonnen worden sein, denn Untersuchungen an den noch erhaltenen Balken der mittelalterlichen Dachwerke zeigen, dass die verwendeten Hölzer bereits um das Jahr 1270 gefällt wurden. In einer Urkunde aus dem Jahre 1344 wird der Rathausbau als „kophus“ (Kaufhaus) bezeichnet, was belegt, dass die einflussreiche Kaufmannsgilde das Gebäude ebenfalls für ihre Zwecke nutzte. Die Erwähnung des Untergeschosses als „winkeller“ deutet außerdem lukullische Tendenzen an.

Nach der Genehmigung durch Herzog Ernst konnte das bestehende Gebäude in mehreren Phasen um- und ausgebaut werden. In westlicher Richtung wurde die schon bestehende Halle durch eine „Dorntze“ - niederdeutsch für „beheizbarer Raum“ - und die Ratsküche mit Vorraum erweitert. Diese diente als Verhandlungsort zwischen dem Rat und den Gilden.

Die Dorntze war der repräsentative Raum des Gebäudes und wurde vom Rat als Sitzungsraum genutzt. Im Obergeschoss befanden sich Lagerräume. 1394 erhielt auch der Keller durch das Gefängnis eine weitere Funktion, Anfang des 15. Jahrhunderts kamen der Turm und die südliche Laube mit der Rathaustreppe hinzu, und der alten Haupthalle wurde eine neue Balkendecke spendiert. Unvollendet blieb der Zinnenkranz mit den runden Ecktürmen um das Dach herum am flacheren Erweiterungsbau. Die künstlerische Gestaltung der Innenräume übernahm im Jahr 1540 der Göttinger Maler Heinrich Heisen.

Die Geschichte der Rathausnutzung verlief parallel zu den architektonischen Veränderungen ebenfalls abwechslungsreich. Als nämlich die Kaufgilde Ende des 14. Jahrhunderts ein eigenes Haus bezog, war das „rathus“ kein „kophus“ mehr. Nach der Reformation wurde die Alte Dorntze – bis ins 20. Jahrhundert hinein - zum Archiv des Rates. 1718 zog die Stadtpolizei in die Scharwache im Keller ein. Der wiederum wurde nach der Revolution 1848 teilweise von der Bürgerwehr genutzt, später auch vom preußischen Miltär. Die 1801 gegründete Sparkasse hatte derweil ihren Sitz in der ehemaligen Ratsküche eingenommen

Im Dreißigjährigen Krieg (1618-48) war das Gebäude nicht von Verwüstungen verschont geblieben, als die Stadt von schwedischen und weimarischen Truppen für die evangelische Seite zurückerobert wurde. Halle und Erdgeschoss waren derart in Mitleidenschaft gezogen, dass zunächst alle repräsentativen Veranstaltungen ins Obergeschoss verlegt werden mussten.

Durch nochmalige Umbau- und Renovierungsarbeiten im späten 19. Jahrhundert erhielt das Rathaus sein heutiges „Gesicht“. Der Hannoveraner Maler Hermann Schaper war von 1883 bis 1903 mit der neuen Gestaltung der Halle beschäftigt, in der nun die Wappen der Hansestädte und humoristische Szenen bürgerlichen Lebens zu sehen sind. Der Ratskeller - die Gaststätte im Keller des Rathauses - wurde ebenfalls wieder eingerichtet.

Nach dem Bau des neuen Rathauses am Geismartor südlich der Innenstadt im Jahr 1978 zog die Stadtverwaltung dorthin um. Das war auch der Beginn der vorerst letzten Renovierungsarbeiten am alten Ratsgebäude bis 1982, wobei das Dach über der Laube einen Giebel erhielt. Seit Herbst 2006 erstrahlt das historische Gebäude durch eine geänderte Außenbeleuchtung „in neuem Licht“.



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