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> 7|07 göttingen

Film- und Theaterstadt

Zwischen 1948 und 1961 konnte es in Göttingen passieren, dass einem prominente Schauspieler über den Weg liefen, oder man Zuschauer oder gar Komparse bei Dreharbeiten wurde. In dieser Zeit war die Stadt nämlich Produktionsstätte von mehr als 90 Spielfilmen, darunter "Liebe 47" nach Wolfgang Borcherts Stück "Draußen vor der Tür" (1949), "Das Haus in Montevideo" (1951), "Wir Wunderkinder" (1958), "Buddenbrooks" nach dem Roman von Thomas Mann und "Rosen für den Staatsanwalt" (1959).

Regie führten zum Beispiel Wolfgang Liebeneiner, Kurt Hoffmann und Wolfgang Staudte, vor der Kamera standen u. a. Curt Goetz, Erich Ponto, Lieselotte Pulver, Nadja Tiller, Lil Dagover und Hanns Lothar. Besonders beliebt war Heinz Erhardt, der in Göttingen einige seiner Komödien drehte. In "Natürlich die Autofahrer" regelte er den Verkehr am Weender Tor, wo heute eine lebensgroße Figur an seine Polizistenrolle erinnert.

Seine Filme und viele weitere produzierte seit 1948 die Filmaufbau GmbH Göttingen, die die Autodidakten Hans Abich und Rolf Thiele gegründet hatten. Einfallsreichtum und Improvisation waren gefragt: Als Alteliers dienten ehemalige Flugzeughallen, für den Kriegsfilm "Hunde wollt ihr ewig leben" verwandelte sich die Uniaula in eine russische Kommandantur, und in "Nacht fiel er Gotenhafen" ging ein Modell des Passagierschiffs "Wilhelm Gustloff" im Göttinger Kiessee unter.

Den bundesweiten Ruf Göttingens als Theaterstadt begründete Heinz Hilpert in seiner Zeit als Intendant des Deutschen Theaters (DT). Als Chef der gleichnamigen Berliner Bühne kam er 1950 und setzte 16 Jahre lang Akzente, 1956/57 zum Beispiel mit Brechts "Mutter Courage", dessen Inszenierung nach Wiedereinführug der deutschen Wehrpflicht gleichermaßen provozierte und begeisterte. Am DT spielten Größen wie Hilde Krahl, Brigitte Horney, Carl Raddatz und Götz George.

1957 öffnete sich auch im 'jungen theater göttingen' der Vorhang auf die Kleinschreibung legte der erste Intendant Hans-Gunther "Schef" Klein besonderen Wert. Hier begannen auch Evelyn Hamann und Ifflandring-Träger Bruno Ganz ihre Schauspielkarriere.

Auf der DT-Bühne kommt auch der Höhepunkt der alljährlichen Internationalen Händelfestspiele zur Aufführung. Seit der Inszenierung der Oper "Rodelinda" 1920 steht Göttingen für eine Renaissance des Komponisten Georg Friedrich Händel (1685-1759). Ergänzt werden die Opern-Aufführungen im historischen Rahmen durch zahlreiche Konzerte an verschiedenen Spielstätten.



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