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> 7|07 göttingen

Johanniskirche

Auf der Rückseite des Alten Rathauses führt die Johannisstraße zur gleichnamigen Kirche. St. Johannis war und ist das ranghöchste Gotteshaus Göttingens. Mit ihren weithin sichtbaren ungleichen Türmen – 62 und 56,5 Meter hoch - ist sie natürlich auch eines der Wahrzeichen der Stadt. Ihre heutige Gestalt als spätgotische, dreischiffige Hallenkirche erhielt sie in der ersten Hälfte des 14. Jahrhunderts; damit ist sie die älteste der drei Pfarrkirchen im Marktbereich.

Das romanische Portal auf der Nordseite zeugt von einem noch älteren Vorgängerbau. Im Glockenhaus zwischen den Türmen hängen drei Glocken, die älteste von 1348. Zwei mächtige Achteckpfeiler begrenzen die Eingangshalle im Westbau und nehmen zugleich die Last der Türme auf. Das Innere erfuhr im Lauf der Jahrhunderte eine vielfache Umgestaltung. 1792 erhielt die Kirche nach Entfernung aller Maßwerke und der Innenausstattung die Gestalt eines barocken Predigtraumes. Erst 100 Jahre später brachte eine weitere Restaurierung den gotischen Charakter zurück, die Glasfenster im Chor wurden 1896 eingesetzt.

Auf dem Nordturm wohnten mehr als 500 Jahre lang die Stadtwächter, die dank ihrer „Weitsicht“ die Einwohner über anrückende Feinde und ausbrechende Feuer frühzeitig warnen konnten. Später befand sich dort – stets unter Bewältigung von 238 Treppenstufen - eine auch überregionale Attraktion: die höchste Studentenbude Deutschlands, deren letzte Bewohner wegen anstehender umfangreicher Sanierungsarbeiten 2001 ausziehen mussten. Deren Ergebnis wurde durch Brandstiftung im Januar 2005 zunichte gemacht, die neuerlichen Aufbauarbeiten nahmen ein weiteres Jahr in Anspruch.

An der Johanniskirche spielt die Kirchenmusik eine wichtige Rolle, durch die seit 1930 bestehende Stadtkantorei und die große Ott-Orgel von 1954/60.

Auf dem Johanniskirchhof befinden sich weitere historische Bauwerke, die ebenfalls Teil der Stadtgeschichte sind. Am Johanniskirchhof 2 steht das Pfarr- und Gemeindehaus St. Johannis aus dem Jahr 1778. Hier ist auch das Büro der Göttinger Stadtkantorei untergebracht. Ein spätbarockes Fachwerkhaus wurde 1785 von Johann Jacob Schmincke am Johanniskirchhof 3 gebaut. Es diente als Wohn- und Gasthaus mit Kaffeeschenke, nach gründlicher Renovierung bietet es heute Wohnraum für Studenten.

Durch ihre unmittelbare Nachbarschaft zur ranghöchsten Göttinger Kirche galt die Johannisstraße einst als Nobel-Wohngegend. Heute lädt sie mit zahlreichen Geschäften zum Einkaufsbummel („Shopping“) ein; während der Adventszeit bildet sie zusammen mit der Fläche rund um die Kirche und dem Marktplatz auf der anderen Seite des Alten Rathauses das Areal des Göttinger Weihnachtsmarktes.



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