> Junges Theater - 'Kabale und Liebe'
>
|
|
|
|
|


> 9|05 theater

Schiller pur im Lagerhaus

Das Junge Theater Göttingen startet mit "Kabale und Liebe" in einer starken Inszenierung in die Saison 2005/2006


> Der Piccolo am Anfang? Harmlos. Die Limonade am Ende - die hat es in sich. Zwischen den Getränken entwickelt sich ein Krimi voller Macht und Liebe, von Meisterhand geschrieben, von einem Bühnen-Hexenmeister inszeniert. Zum Saisonstart des Jungen Theaters jagt Intendant Andreas Döring sein Ensemble unter Hochdruck durch einen deutschen Klassiker: Friedrich von Schiller liefert mit "Kabale und Liebe" eine Steilvorlage für zeitlose Dramatik um liebe, Freiheit und Selbstbestimmung, die jeder Zeit in Unterdrückung und Gewalt kippen können - und auch kippt. Präsidenten-Sohn Ferdinand von Walter liebt Luise Miller, Stadtmusikanten-Tochter.

Die heimliche Beziehung trifft auf heftigen Widerstand. Der Präsident will seinen Sohn zwingen, die Geliebte des Fürsten, Lady Milford zu heiraten: um den Zugriff auf die einflussreiche junge Dame "in der Familie" zu behalten und Ferdinands Karriere zu befördern. Doch der Vater hat die Rechnung ohne den Sohn gemacht. Der gesteht seine Liebe zu Luise der Lady, doch die geizt nicht mit ihren Reizen. Vergeblich. Mit Hilfe des enttäuschten Nebenbuhlers Wurm spinnt nun der Präsident eine Intrige, um die Liaison zwischen Ferdinand und Luise zu zerstören. Aus Opfern werden Täter und umgekehrt.

Regisseur Döring hat Schillers Radikales Erbe aufs Wesentliche reduziert. Den Text erhalten und die Handlung mit seinem Bühnenbild dorthin verlegt, wo es in Krimis oft zum Showdown kommt: In eine Lagerhalle ohne Tageslicht. Und dafür dort mit raffiniert gezauberter Beleuchtung plus diverser Drinks und einem Sofa zum Lieben und Sterben den Rahmen für sein Schauspiel-Team geschaffen, das eine Hauptrolle nahtlos an die andere reiht:

Allen voran die wunderbar verzweifelten Liebenden Sonja Elena Schroeder (Luise) und Daniel Sellier (Ferdinand), als Präsident einschüchternd erbarmungslos bis fast zum ungeheuren Schluss Jan Reinartz. Agnes Giese und Dirk Böther lassen mächtig am Schicksal ihre Tochter Luise mitfühlen. Axel Theune sorgt als deren vermeintlicher Lover für Heiterkeit im Saal. Florian Kleine wird zum hinterlistigen Wurm. Karin Hanczewski schließlich stellt sich nachdrücklich in ihrer ersten Rolle am JT vor: als im roten Licht erscheinende umwerfende Lady Milford, deren tragischer Monolog Gänsehaut erzeugt. Knapp drei Stunden Schiller pur, die scheinbar nur die Hälfte dauern, sind das Ergebnis.

Das Publikum, oft genug den Atem angehalten, entlädt seine Begeisterung für eine brillante Premiere mit reichlich "Bravo" und lang donnerndem Applaus.

Foto: Clemens Eulig



Linktipp

- Junges Theater



> home