> Trockene Perspektiven -
Klimawandel contra Wirtschaftskrise
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>4|09 wirtschaftsklima

MENSCH, ZAHLEN BITTE!

Der Klimawandel wird als Bedrohung mittlerweile wahrgenommen. Ernstgenommen aber vielleicht nur solange, bis sich die nächste Katastrophe ankündigt: Die globale Wirtschaftskrise, ein Gespenst aus dem vergangenen Jahrhundert, ist zurück. Erderwärmung vs. Weltrezession - was zu bekämpfen ist wichtiger? Oder ist eins mit dem anderen untrennbar verknüpft?


> "Wäre die Welt eine Bank, hättet Ihr sie längst gerettet!" Das Banner hätte auch in Göttingen hängen können. Und anderswo. Am plakativsten wirkte es natürlich im Zentrum der Finanzmacht, inmitten der Frankfurter Banken-Skyline. Knapp 150 Meter über der Erde protestierten Kletterer von Greenpeace Mitte März für mehr finanzielles Engagement der Bundesregierung beim internationalen Klimaschutz.

An der doppeltürmigen Zentrale der Deutschen Bank hatten die Aktivisten ihre zwölf mal dreizehn Meter große Botschaft befestigt. Die Umweltschützer fordern die Bundesregierung damit auf, mehr Geld für Klimaschutzprojekte in Entwicklungsländern auszugeben. Projekte wie der Ausbau Erneuerbarer Energien, Urwaldschutz und Maßnahmen zur Anpassung an den Klimawandel müssten gefördert werden. Auch beim UN-Meeting in Bonn – ein Vorbereitungstreffen für die große Weltklimakonferenz in Kopenhagen im Dezember 2009 – kam der Greenpeace-Slogan jüngst zum Aushang.

Der Göttinger Bundestagsabgeordnete Jürgen Trittin (Bündnis 90/Die Grünen) erwartet Taten. "Als 1992 in Rio de Janeiro die Klimarahmenkonvention von den meisten Staaten unterzeichnet wurde, war noch nicht so deutlich wie heute, dass der Klimawandel stattfindet, und dass der Mensch ihn verursacht." Für den ehemaligen Bundesumweltminister wurde damals der Grundstein für die heutige Klimaschutzpolitik gelegt - mit dem Raum für das Kyoto-Protokoll und dessen Nachfolgeabkommen, das dieses Jahr in Kopenhagen beschlossen werden soll. Damit sei diese Konvention „eines der wichtigsten multilateralen Abkommen und heute aktueller denn je.“

Aber Trittin sieht angesichts der Finanzkrise die Gefahr, dass die Erderwärmung in den Hintergrund der Aufmerksamkeit gerät. Der stellvertretende Vorsitzende der Grünen im Bundestag prognostiziert: "Der Klimawandel wird aber die Weltwirtschaft deutlich härter treffen als die Finanzkrise, wenn es der Weltgemeinschaft nicht gelingt, das 2-Grad Ziel zu erreichen". Höher – darüber besteht internationaler Konsens – darf die globale Durchschnittstemperatur nämlich nicht ansteigen. Sonst drohen katastrophale Folgen, sind sich viele Klimaforscher einig.

Trittins Nachfolger als Umweltminister, Sigmar Gabriel, verweist seinerseits auf gute Aussichten, sofern die richtigen Weichen gestellt werden. Der SPD-Politiker und ehemalige niedersächsische Ministerpräsident, der wie Trittin in Göttingen studiert hat, wird nicht müde zu betonen, dass der Kampf gegen die Erderwärmung neue wirtschaftliche Perspektiven bietet. "Erneuerbare Energien schützen das Klima, sichern die Energieversorgung der Zukunft und schaffen Arbeitsplätze am Wirtschafts- und Forschungsstandort Deutschland“, erklärte Gabriel anlässlich der Veröffentlichung des Jahresberichts 2008 zur Forschungsförderung seines Ministeriums. Im vergangenen Jahr seien 169 neue Projekte mit einem Gesamtvolumen von über 150 Millionen Euro bewilligt worden - fast ein Drittel mehr als im Vorjahr.

Nach Angabe des Bundesumweltministeriums machten die erneuerbaren Energien 2008 rund 30 Milliarden Euro Umsatz und sicherten fast 280.000 Jobs. Damit werden nach den vorläufigen Abschätzungen der Arbeitsgruppe AGEE-Stat rund 115 Millionen Tonnen des klimaschädlichen CO2 pro Jahr in Deutschland vermieden. Mit einem Anteil von rund 10 Prozent am Endverbrauch haben die regenerativen Energiequellen ihre Rolle als tragende Säule einer nachhaltigen Versorgung weiter gefestigt. Ihr Anteil am Brutto-Stromverbrauch beträgt 14,8 Prozent, jener an der Wärmeversorgung 7,7 Prozent.

"Eine neue, globale Ordnung mit klaren ökonomischen, ökologischen und sozialen Leitplanken"

Ein Signal für Europa? Erneut haben es die Staats- und Regierungschefs auf ihrem diesjährigen EU-Frühjahrsgipfel in Brüssel nach Ansicht der Umweltstiftung WWF versäumt, ehrgeizige und klare Beschlüsse für die anstehende Konferenz in Kopenhagen zu formulieren. „Nach über einem Jahr hat die EU die internationalen Klimaschutz-Verhandlung nicht mit konkreten Vorschlägen vorangebracht“, kritisiert Regine Günther, Leiterin des Klimaprogramms beim WWF Deutschland.

Staat oder Markt, das war einmal. Die Krise ist für Trittin zu dramatisch, "um die falsche ideologische Schlacht von gestern neu zu kämpfen. Heute geht es um eine neue, globale Ordnung mit klaren ökonomischen, ökologischen und sozialen Leitplanken." Für den Grünen wurde schon auf dem EU-Gipfel 2008 "leider die Chance vertan, die Finanzkrise und den Klimawandel gemeinsam anzugehen und die Anstrengungen auf einen ökologischen Umbau der Wirtschaft zu lenken.

Was zu tun ist, hat gerade der renommierte Klimaforscher Hans Joachim Schellnhuber gegenüber der 'Zeit' formuliert. Für den Direktor des Potsdam-Instituts für Klimafolgenforschung zeigen die neuesten Wissenschafts-Erkenntnisse, dass „viele Worst-Case-Szenarien noch von der Wirklichkeit übertroffen“ werden. Die Herausforderung bestehe nun darin, die Weltwirtschaft völlig neu zu programmieren.

Folgende technologische Aspekte werden dabei für Schellnhuber eine entscheidende Rolle spielen: „drastisch erhöhte Energieeffizienz, Elektromobilität, Ultrahochgeschwindigkeitssysteme für die Schienenfracht, intelligente Netze zur Integration verteilter erneuerbarer Energiequellen, Solarstrom aus der Sahara, Energietürme mit kombinierter Wasserentsalzung, Kohlenstoffspeicherung und, und, und… Es ist möglich und sogar lukrativ, die westliche Welt bis 2050 weitgehend kohlenstofffrei zu machen.“



Was kostet die Welt?



Das ist alles andere als billig, aber die Kosten scheinen zumutbar: Rund ein Prozent des globalen Bruttoinlandsprodukts - gut 270 Milliarden Euro jährlich - müsste investiert werden, um dem Klimawandel effektiv entgegenzusteuern. Dies ergab vor gut zwei Jahren eine britische Studie unter Federführung des früheren Weltbank-Chefökonomen Nicholas Stern. Zur Bankenrettung sei indes schon jetzt das 26-fache ausgegeben worden, nämlich 7 Billionen Euro, so Hubert Weiger, Vorsitzender des Bundes für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND). "Die Spekulanten investierten jahrzehntelang zu Gunsten einer kurzfristigen Rendite zu Lasten von Natur und Zukunft", ärgert sich der BUND-Chef. Und obwohl nun das Geschäftsmodell als untauglich entlarvt sei, gebe es aus der Politik wieder nur "kurzfristige Instrumente, die die alten Strukturen am Leben halten sollen".

Um auf die Frage 'Was kostet die Welt?' (und ihre Rettung) Antworten zu finden, kann es nicht oft genug heißen: Zahlen, bitte (und zwar sofort)! Zur Rettung der Spekulanten hätten die Industriestaaten innerhalb eines halben Jahres 45-mal so viel Geld flüssig gemacht, wie bislang zur Armutsbekämpfung und für den Klimaschutz insgesamt ausgegeben worden sei, moniert Cornelia Füllkrug-Weitzel, Direktorin des Evangelischen Hilfswerks 'Brot für die Welt'.

Wilfried Steen, Vorstand des Evangelischen Entwicklungsdienstes, fordert ein Konjunkturprogramm für Entwicklungsländer. 35 Milliarden Euro soll Europa jährlich aufbringen, um die Staaten des Südens zu unterstützen. Für Steen eine Bringepflicht, denn: "Wie die Klimakrise ist die Finanzkrise Produkt der ersten Welt."

Ein international anerkannter Ökonomie-Experte wie Joseph Stiglitz kann da schon gemischte Gefühle bekommen. Der US-amerikanische Wirtschaftsnobelpreisträger erlebt die Jahrhundertrezession als "intellektuell sehr spannend". So wie ein Arzt, der ungewöhliche Krankheiten zu Gesicht bekommt - und sich nicht etwa freut, dass es dem Patienten schlecht geht, sondern weil er daran seine Theorien und Ideen überprüfen kann. Dann müssen allerdings Lösungen her.

Als Leiter des Expertengremiums, das für die UN Reform-Konzepte für die internationale Finanz- und Wirtschaftsordnung entwickeln soll, fordert Stiglitz drei Institutionen:

- Eine neue globale Kreditorganisation, die besser funktioniert als die bisherigen

- Einen weltwirtschaftlichen Lenkungsausschuss (auch von Bundeskanzlerin Angela Merkel angestrebt)

- Ein globale Reservewährung, die nicht auf Dollar, Euro, Yen etc. basiert

Chinas Konjunkturprogramm sieht Stiglitz übrigens weitaus besser konzipiert als das der USA. Die Volksrepublik in Asien investiere nicht in die Banken, sondern in Infrastruktur, Bildung und Sozialsystem, kurz: "Werte für die Zukunft."

Dennoch bleibt es vertrackt. Denn, gemessen an ihrem Börsenwert, zählen die chinesischen Banken mittlerweile zu den größten der Welt. Allen voran die Industrial Bank of China, die China Construction Bank und die Bank of China, die nach Information der 'Financial Times Deutschland' "zusammen mehr wert sind als die Verfolger auf den Plätzen vier bis zehn zusammen". Und jetzt treten die Banken aus dem Reich des goldenen Drachen auch noch in der Höhle des Löwen an: in New York, Manhattan, Herz der Kapitalismuswelt.

Aber wo im XXL-Format gehobelt wird, fallen erfahrungsgemäß entsprechende Späne. Beim düsteren Kopf-an-Kopf-Rennen um den weltweit größten CO2-Ausstoß hat China die USA fast eingeholt (siehe Infokasten). 18,8 Prozent des aufheizenden Kohlendioxid werden im Reich der Mitte in die Atmosphäre geblasen, 21,4 im Land der unbegrenzten Möglichkeiten, so die aktuellen Daten der Internationalen Energieagentur (IEA) und des Nationalen Büros für Statistik (NBS) in China.

Wer wird Weltmeister im Klimaschutz?

Beim Klimaschutz-Index hingegen liegt die Volksrepublik abgeschlagen auf Platz 40, die USA auf Rang 55 - viel Arbeit für den neuen Präsidenten Barack Obama. "Wir sind gespannt, was die Amerikaner tun werden mit dem neuen Präsidenten, aber wir müssen sagen: Wir haben Reduktionsziele, andere noch nicht", hielt sich Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) zurück. Deutschland bewegt sich im Klima-Ranking in ganz anderen Sphären: mit 3 Prozent der globalen CO2-Emission und auf Platz zwei beim Klimaschutz.

"Von dieser Wahl hängt die Zukunft des Planeten ab", hatte Al Gore, Ex-US-Vizepräsident, Umweltschützer und Friedensnobelpreisträger vorab dramatisch gemutmaßt. Von hohen Vorschusslorbeeren flankiert, ist der Demokrat Obama mit markigen Worten ins Amt gestartet: "Meine Präsidentschaft markiert ein neues Kapitel der amerikanischen Führungsrolle" (in einer Videobotschaft an die Teilnehmer einer Klimaschutzkonferenz in Los Angeles). Und mit großen Plänen: „Für eine Zukunft mit sauberer Energie“ sollen unter dem neuen US-Präsidenten rund 15 Milliarden Dollar (12 Milliarden Euro) jährlich investiert werden: in Solar- und Windenergieprojekte sowie die Entwicklung von Biokraftstoffen. Und schon als designierter Präsident kündigte Obama ein System zum Emissionshandel an, das den Ausstoß der klimaschädlichen Treibhausgase bis zum Jahr 2020 auf das Niveau von 1990 verringern soll.

"Es ist doch prima, wenn es endlich mal Wettbewerb um den Weltmeister-Titel im Klimaschutz gibt. Deutschland oder die EU alleine werden die Erde nicht retten. Deshalb ist der von Barack Obama angekündigte Kurswechsel so wichtig", betont Umweltminister Gabriel, nicht ganz ohne Süffisanz allerdings: "Andererseits: Obama möchte den Ausstoß von Treibhausgasen bis 2020 auf den Stand von 1990 zurückfahren, wir wollen ihn in Deutschland um 40 Prozent unter dieses Niveau senken."

Neue Zahlen bestätigen den positiven Trend. Laut Gabriel sank der deutsche Ausstoß von Klimagasen im Jahr 2008 um 1,2 Prozent und erreichte einen Stand von 23,3 Prozent unter dem Wert von 1990. „Selbst wenn man unterstellt, dass vermutlich ein bis zwei Prozentpunkte dieses Rückgangs der Wirtschaftskrise geschuldet sind, so belegen die neuen Zahlen doch, dass unsere Klimaschutzpolitik greift“, freut sich der SPD-Politiker. „Deutschland ist Vorreiter und hat die Kyoto-Ziele bereits drei Jahre vor der Ziellinie erreicht.“

Schade nur, dass dies global verpufft. So nahmen viele Forscher an, die Weltwirtschaftskrise würde sich positiv aufs Klima auswirken. Neue Messungen belegen hingegen, dass der CO2-Anstieg auch 2008 rasant zugelegt hat. Der Grund? Möglicherweise eine rätselhafte Entwicklung in den Ozeanen – sie nehmen weniger Kohlendioxid auf als bisher.

Dies dürfte die weltweite Renaissance der Atomkraft kaum bremsen. Auch US-Präsident Obama will auf Nuklearenergie nicht verzichten - unter einer Bedingung. „Wir müssen sicherstellen, dass sie sicher ist“. Worte, die auch einen der wichtigsten deutschen Energie-Manager freuen dürften: "Das übergeordnete Zieldreieck von Klimaschutz, Versorgungssicherheit und Wirtschaftlichkeit wird nie ganzheitlich diskutiert", sagt Wulf Bernotat, Vorstandsvorsitzender des Energiekonzerns Eon. "Wir können auf Kohle und Kernkraft in den nächsten 30 Jahren nicht verzichten“, warnt er. Andererseits investiere sein Unternehmen auch verstärkt in regenerative Energien. Mit 4 Milliarden Euro in den beiden vergangenen Jahren sei Eon hier in den "Gigawatt-Club" aufgestiegen.

Wo auf der Welt Kohle- durch Windenergie ersetzt werde, sei dabei für den globalen Klimaschutz egal. Der Düsseldorfer Konzern investiert dort, wo die besten Standortbedingungen zu finden sind - und übernimmt regionale Versorger, wo möglich: So auch die Elektrizitäts-Aktiengesellschaft Mitteldeutschland (EAM), die bis 2005 das Strom- und Erdgasnetz in weiten Teilen Hessens, Westthüringen, Ostwestfalen und Südniedersachsen/Göttingen betrieb.



Ein wichtiges Signal aus Göttingen



Während Eon und die drei anderen großen deutschen Stromanbieter immer wieder auf die Notwendigkeit von Atomenergie für den Klimaschutz verweisen, empfehlen Umweltverbände den Wechsel zu Ökostrom - früher aus Ablehnung der Atomkraftwerke, heute ebenfalls verstärkt als Maßnahme gegen die globale Erwärmung. Unabhängig vom Wohnort lässt sich so saubere Energie von derzeit vier überregionalen Anbietern beziehen: LichtBlick, Greenpeace Energie, Elektrizitätswerke Schönau und Naturstrom AG.

Durch Handeln Zeichen zu setzen, bleibt dabei kein Privileg von Privathaushalten. Als erste Großstadt in Niedersachsen bezieht Göttingen seit 2008 Strom nur noch aus regenerativen Energiequellen; alle öffentlichen Gebäude und Einrichtungen werden mit Ökostrom versorgt. Die Kriterien bei der Ausschreibung seien "der Preis und kein Atomstrom" gewesen, so Pressesprecher Detlef Johannson.

Immerhin handelt es sich um einen Strombedarf von rund 14 Millionen Kilowattstunden jährlich, verteilt an über 400 Abnahmestellen in der Stadt. Das finanzielle Volumen des Auftrags beläuft sich auf rund 2,3 Millionen Euro pro Jahr, damit reduzieren sich die Kosten für Strom zu Lasten des städtischen Haushalts um etwa drei Prozent jährlich. Oberbürgermeister Wolfgang Meyer (SPD) kommentiert: "Dass wir damit als Stadt ein wichtiges energie- und klimapolitisches Signal setzen können, das sich auch noch rechnet, ist ein hervorragendes Ergebnis." Und Stadtsprecher Johannson ergänzt: „Im Rahmen der verstärkten Bemühungen um energetische Sanierung öffentlicher Gebäude sind wir erfolgreich dabei, nicht nur Kosten zu senken, sondern vor allem Verbrauch zu reduzieren.“ Der Kreis Göttingen bezieht seinen Strom bereits ebenfalls aus regenerativen Quellen.

Während die Stadt sauber spart, wird an der Universität intensiv geforscht. So beschäftigen sich Wissenschaftler der Georgia Augusta mit den Auswirkungen des Temperaturanstiegs auf Permafrostböden. Sie gehen davon aus, dass die Klimaerwärmung zu massiven Emissionen von Treibhausgasen in Nordsibirien führen wird. Mitarbeiter des Forschungszentrums Waldökosysteme untersuchen "Klimaschutz durch nachwachsende Rohstoffe", nämlich wieviel klimawirksame Spurengase auf den Anbauflächen entstehen, und sie sind Spurengasen auf Pappelplantagen auf der Spur, Thema: "Klimaschutz durch schnellwachsende Bäume".

Das Spektrum individueller Forschungsprojekte beinhaltet eine Dissertation zu "Treibhausgas-Emissionen in der deutschen Landwirtschaft" (Herkunft und technische Minderungsmaßnahmen unter besonderer Berücksichtigung von Biogas) ebenso wie Seminararbeiten über "Klimaschutz in der Lebensmittel-Wertschöpfungskette am Beispiel CO2-neutraler Bananen".

Zahlen, bitte? Ein Leitspruch der Agenda 21 lautet „Global denken – lokal handeln.“ Die große Rechnung bleibt eine Unbekannte, aber jede Bestellung beeinflusst sie. Zum Beispiel mal auf Fleisch verzichten: Nach Experten-Schätzungen fließt bis zu einem Viertel des weltweiten Wasserverbrauchs in die Viehzucht - und die Tiere produzieren knapp 20 Prozent der Treibhausgase.



Die 10 größten Klima-Anheizer

Anteil an weltweiten CO2-Emissionen in Prozent


1. USA 21,44 (55)

2. China 18,8 (40)

3. Russland 5,69 (50)

4. Japan 4,47 (42)

5. Indien 4,23 (5)

6. Deutschland 3,0 (2)

7. Kanada 2,0 (53)

8. Großbritannien 1,95 (7)

9. Italien 1,67 (41)

10. Südkorea 1,65 (51)


(In Klammern die Platzierung im weltweiten Klimaschutz-Index 2008)

Quelle: Germanwatch/Internationale Energieagentur (IEA)



10 Zitate

"Der Klimawandel ist bittere Realität."

Gerhard Schröder, damaliger deutscher Bundeskanzler (August 2002)
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"Wenn ich eine Rechnung bekomme, kann ich auch nicht sagen, ich zahle sie, wenn es mir möglich ist."

Bernhard Bauske, World Wide Fund for Nature (WWF) (August 2002)
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"Wenn wir die tropischen Regenwälder vernichten, ist das so, als wenn wir ganze Unibibliotheken abbrennen, ohne überhaupt zu wissen, was da drin gewesen ist."

Peter Gerhardt, Fachreferent für den Tropenwald bei der Umweltschutzorganisation Robin Wood (August 2002)
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"Klimaschutz als Herausforderung und als Antriebskraft einer ökologischen Modernisierung der Wirtschaft: Der Klimawandel ist die größte Herausforderung im 21. Jahrhundert."

Jürgen Trittin (Bündnis 90/Die Grünen), damaliger Bundesumweltminister (September 2003)
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"Ich bin kein Klimakiller – allerdings möchte ich auch nicht Killer der deutschen Industrie werden!"

Wolfgang Clement (SPD), damaliger Bundeswirtschaftsminister (März 2004)
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"Wir müssen unabhängiger vom Öl werden. Umwelt und Wirtschaftswachstum sind kein Gegensatz."

Klaus Töpfer, damaliger Direktor der UN-Umweltbehörde Unep, ehemaliger Bundesumweltminister (September 2005)
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"Wir haben bereits ein Jahrzehnt durch die Diskussion verloren, ob es überhaupt einen Klimawandel gibt."

Hans Joachim Schellnhuber, Direktor des Potsdam-Instituts für Klimafolgenforschung (September 2006)
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"Wir erkennen an, dass wir ein Problem mit Treibhausgasen haben."

George W. Bush, damaliger US-Präsident (Mai 2007)
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"Es ist grotesk, dass sich diejenigen Wirtschaftspolitiker, die sich einer vernünftigen Regulierung der Finanzmärkte bislang verweigert haben, als Hüter des Wirtschaftswachstums aufspielen und empfehlen, den Klimaschutz zurückzustellen."

Ottmar Edenhofer, Chefökonom des Potsdam-Instituts für Klimafolgenforschung (November 2008)
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"Die Wirtschaftskrise hält wahrscheinlich ein, zwei oder drei Jahre an. Der Klimawandel ist ein viel langfristigeres Problem, und es gibt Synergien beim Umgang mit der Wirtschaftskrise und dem Klimawandel. So kümmert sich etwa US-Präsident Barack Obama gleichzeitig um Klimaschutz und die Wiederbelebung der Wirtschaft. So einen Ansatz brauchen wir in jedem Land."

Rajendra K. Pachauri, Vorsitzender des Weltklimarats IPCC (Intergovernmental Panel on Climate Change) (Februar 2009)
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10 Zahlen

1 – Planet (Erde) steht uns zur Verfügung

2 – Grad Celsius: international angestrebtes Ziel der maximal zulässigen durchschnittlichen Erderwärmung bis zum Jahr 2100

3 – Prozent: Einsparung der jährlichen Stromkosten der Stadt Göttingen durch den erfolgten vollständigen Umstieg auf Ökoenergie

45 – Mal mehr Geld als bislang zur Armutsbekämpfung und für den Klimaschutz ausgegeben haben die Industriestaaten in einem halben Jahr anlässlich der Finanzkrise für Banken, Spekulateure etc.

2020 – Jahr, in dem die USA unter Präsident Obama den CO2-Ausstoss auf den Wert von 1990 reduziert haben will (Deutschland will bis dahin seinen Wert von 1990 um 40 Prozent unterbieten)

280.000 – Jobs werden in Deutschland durch die Branche 'Erneuerbare Energien' gesichert

12 Milliarden – Euro sollen unter dem neuen US-Präsidenten Obama jährlich „für eine Zukunft mit sauberer Energie“ investiert werden

30 Milliarden – Euro: Ungefährer Umsatz der 'Erneuerbaren Energien' im Jahr 2008 in Deutschland

270 Milliarden - Euro: rund ein Prozent des jährlichen globalen Bruttoinlandsprodukts - gemäß einer britischen Studie die Kosten pro Jahr, um dem Klimawandel effektiv entgegenzuwirken

7 Billionen – Euro: geschätzter bisher zur Bankenrettung ausgegebener Betrag



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