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> 2|09 ausstellung

„Schon Gaukler über 50 Jahr'...“

Weltstar im Kino mit Werkschau in Göttingen: noch bis zum 8. März sind graphische Arbeiten des Universalkünstlers Armin Mueller-Stahl im Alten Rathaus ausgestellt.


> Ob in Hollywood oder anderswo: Schauspieler Armin Mueller-Stahl genießt gegenüber den meisten Kolleginnen am Set stets einen großen Vorteil. Während die Drehpausen oft das große Warten bedeuten, kann M.-S. auf Pinsel, Stifte und Papier zurückgreifen. Denn der 1930 geborene Multikünstler hat - neben seiner Arbeit vor der Kamera und auf der Bühne - gemalt und gezeichnet, wann immer es ihm möglich war. Seit 1952. Sein Skizzenblock? Oft Drehbuch-Seiten.

Was er so an Impressionen rund um Film und Theater eingefangen hat, wird in Göttingen noch bis Anfang März zu sehen sehen. Das Ausstellungsplakat zeigt ein Selbstportrait: Mueller-Stahl in der Rolle des Jean Buddenbrook. Als Patriarch aus Thomas Manns gleichnamigem Roman ist er derzeit in der Kinoproduktion „Buddenbrooks“ auf der Leinwand zu sehen.

Ihn „in echt“ zu erleben, sprengt in Göttingen den Rahmen. 8. Januar, 18 Uhr, Halle des Alten Rathauses: Drinnen verfolgen 450 Besucher die Vernissage, draußen kommt mangels Platz keiner mehr rein.

Trotz heftiger Erkältung ist der Grandsegnieur der Leinwand da. Göttingen ist seine bisher größte Ausstellung, erst seit gut zehn Jahren präsentiert er seine Werke der Öffentlichkeit. Im Rathaus sind „Menschenbilder“ (Malerei, Zeichnung und Graphik) zu sehen, die Galerie Nottbohm zeigte bis Ende Januar Ausgewähltes aus dem graphischen Gesamtwerk. „Ich bin wahnsinnig stolz, dass er hier ist“, sagt Nottbohm-Galerist Christoph Langer zur Eröffnung. Von diesem Augenblick hat er vier Jahre lang geträumt.

Als Maler ein Autodidakt? Mueller-Stahl verneint. Er stammt aus einer Künstlerfamilie, Großmutter und Tanten haben gemalt, und das „sehr gut sogar“. Studiert hat er – im Gegensatz zur Musik - die Bildende Kunst zwar nie, aber sein ganzes Leben lang gezeichnet. Einer bestimmten Kunstrichtung fühlt sich der leidenschaftliche Museumsbesucher dennoch nicht zugehörig.

Aber: „Als Schauspieler bin ich Autodidakt“, sagt er und erinnert schmunzelnd an seinen Rauswurf aus der Schauspielschule nych dem ersten Jahr.

Zur Eröffnung der Ausstellung spricht Björn Engholm, Ex-Ministerpräsident von Schleswig-Holstein. Beide seit 25 Jahren und einigen Grappas zunächst bekannt, schließlich befreundet.

Als ein Beispiel für Mueller-Stahls bildnerische Ausdruckskraft wählt er das Porträt von Papst Benedikt XVI. "Also Ratzinger anders gesagt", erklärt der Lautor und das Publikum schmunzelt. Engholm bschreibt: "Sie sehen die Größe der Verkündung - und zugleich die Pose eines Medienstars." Mueller-Stahl selbst nennt als einen Einfluss Pablo Picasso. Er schätzt dessen "Verspielt, Fantasie und Originalität."

Ein halbes Jahrhundert Künstlerleben fasst Mueller-Stahl vor seinem Göttinger Ausstellungs-Publikum in einem eigenen kleinen Gedicht zusammen, das endet mit: „Ich bin schon Gaukler über fünfzig Jahr', bin Tragöde, bin der Narr – bin der Bettler, bin der König, und ich weine mal ein wenig. Doch ich lache wie ein Kind, wenn die Leute glücklich sind. Punkt.“



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