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> 8|06 geschichte

Logistik á la Augustus

Das bisher einzige in Niedersachsen entdeckte Römerlager befindet sich bei Hedemünden - rund 2000 Jahre später sind Gruppenführungen ganzjährig buchbar bei den Tourist-Informationen in Göttingen, Hann. Münden und Witzenhausen.


> Wir schreiben das Jahr 9 vor Christus. Ganz Germanien wird von den Römern belagert. Ganz Germanien? So ziemlich - und der am weitesten Richtung in Richtung Osten vorgeschobene Stützpunkt liegt in einer kleinen, uns wohlbekannten Region, die man dereinst Südniedersachsen nennen wird. Rund 2000 Jahre später gerät dieses Römerlager in der Nähe von Hedemünden ins Interesse der Öffentlichkeit...

Im April 2004 sorgte die Meldung der Entdeckung eines römischen Marsch- und Versorgungslagers für Aufregung. Auch kaum jemand unter den Experten hätte wohl mit einem solchen Befund im Werratal gerechnet. Das bisher einzige in Niedersachsen entdeckte Römerlager mit seinem großen Fundbestand ist gleichzeitig der am weitesten von der römischen Reichsgrenze nach Osten vorgeschobene römische Stützpunkt im Feindesland.

Bei Grabungsarbeiten fanden Archäologen Gebrauchsgegenstände, Waffenteile und Münzen im Bereich der Anlage, von der nur noch Gräben und Wallanlagen existieren. Anhand dieser Funde ist eine Datierung der römischen Aufenthalte in die Regierungszeit der Kaiser Augustus und Tiberius möglich. Das mehrteilige Lager diente vermutlich von 9 vor bis 9 nach Christus als Versorgungsstützpunkt der durch den Befehlshaber Drusus durchgeführten Feldzüge.

Diese Art Versorgungslager war, neben der strategischen Kontrollfunktion am Überschneidungspunkt von Land- und Wasserstrassen, zur Bevorratung von Nahrungsmitteln, der Vorhaltung von Ausrüstung und Ersatzteilen der Legionen wichtig. Die Struktur dieser Lagerform ist der eines heutigen "Logistikzentrums" sehr ähnlich. Sie waren unerlässlich für die Nachschubsicherung römischer Vorstöße z. B. in die germanischen Gebiete.

Jetzt lässt sich dieses überregional bedeutende Kulturdenkmal auch mit professioneller Führung erkunden. In einem Gemeinschaftsprojekt der Touristikvereine in Göttingen, Hann. Münden und Witzenhausen wurden unter der Federführung des Kreisarchäologen Dr. Klaus Grote Gästeführer ausgebildet. Angesichts der großen Nachfrage nach Führungen wurde die Weiterbildung von der Galerie Göttinger Land, dem Leader+Projekt zur Vernetzung touristischer Angebote der Region (www.goettingerland.de), organisiert. Mit Unterstützung der EU und des Landkreises Göttingen wurde in einer dreiwöchigen Schulung umfangreiches Wissen in Unterrichtsstunden und Begehungen vor Ort vermittelt. Unter den kritischen Augen einer Prüfungskommission überzeugten sieben Anwärter mit ihrem Wissen über das herausragende archäologische und landesgeschichtliche Kulturdenkmal an der Werra.

Das Angebot für Gruppen bis maximal 25 Personen ist ganzjährig buchbar bei den Tourist-Informationen in Göttingen, Hann. Münden und Witzenhausen (siehe Infokasten). Fremsprachige Führungen sind auf Anfrage ebenfalls möglich. Die Dauer der Ausflüge in die Vergangenheit beträgt jeweils rund 90 Minuten. Festes Schuhwerk wird auf jeden Fall empfohlen, und - auch nicht ganz unwichtig: Vor Ort befinden sich keine Toiletten.

Öffentliche Führungen für jedermann werden ebenfalls angeboten. Treffpunkt ist jeweils das westliche Ende des Kirchweges. Am 1. Oktober 2006 um 16.30 Uhr sind hier speziell Kinder angesprochen; sie erhalten einen Bastelbogen und können sich bei erfolgreicher Fertigung was auf den Kopf setzen? Einen Römerhelm.

Foto: Klaus Grote


Weitere Informationen und Buchung

Tourist-Informationen in
Göttingen (Tel. 0551/ 4 99 80-0)
Hann. Münden (Tel. 05541/ 75-313 bis -315)
Witzenhausen (Tel. 05542/ 60 01-0)



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