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> 5|09 stadtfuehrung

Große Glocken, lange Bänke

„Dem geflügelten Wort auf der Spur“.


> Jetzt wollen wir mal was „an die große Glocke hängen“: Warum machen manche Leute montags blau? Wo standen jene Fettnäpfchen, in die man besser nicht treten sollte? Wie wurde man zum Schlitzohr? Etwa, indem man „einen Streit vom Zaun brach?“ Und was bedeutete es, „auf den Hund gekommen“ zu sein? Damit man „von Tuten und Blasen“ eine Ahnung erhält, werden Fragen dieser Art auf einer speziellen Göttingen-Tour gestellt – und an den passenden Lokalitäten beantwortet.

Die eineinhalbstündige Runde gehört zu den neuesten Themenführungen der Tourist-Information – und führt in alte Zeiten: „Dem geflügelten Wort auf der Spur“ sind die Teilnehmer auf einen historischen Streifzug mit 14 Episoden durch die Innenstadt. Die Führung basiert auf einer Idee der Stadtführerin Margit Schmidt, die eine ähnliche Tour für Hann. Münden konzipiert hat.

So werden die historischen Wurzeln noch heute gebräuchlicher Redewendungen und Sprichwörter erläutert. Im Mittelpunkt steht deren Verbindung zu Handwerkern, Zünften sowie Sitten und Gebräuchen im mittelalterlichen Göttingen. Gleichermaßen spannende wie unterhaltsame Geschichten und Anekdoten zeigen, dass die Vergangenheit bis weit in unsere Gegenwart reicht.

Treffpunkt ist das Alte Rathaus, und dort geht es auch los mit dem Wissen rund ums geflügelte Wort. Noch heute wird so manches „auf die lange Bank“ geschoben. Das war nämlich schon im Mittelalter so, wenn die Unterlagen für das Gericht auf Holzbänken auf ihren Einsatz warteten. Und ein Sachbearbeiter, dem der volle Tatendrang irgendwie abhanden gekommen ist, wird es auch heute nicht gern haben, dass man dies „an die große Glocke hängt“. Einst wurden nämlich mit außerplanmäßigem Kirchengeläut die „Braking News“ des Mittelalters angekündigt.

Die Stadtwächter setzten ebenfalls auf Akustik: Mit ihren Signalinstrumenten wiesen sie zum Beispiel auf Gefahr hin, und es lohnte sich ebendiesen zu vertrauen, die „von Tuten und Blasen eine Ahnung“ hatten. Laut (allerdings unfreiwillig) dürften auch jene Handwerker geworden sein, denen man wegen unprofessioneller Arbeit den sogenannten „Zunftring“ herausriss und so zum „Schlitzohr“ degradierte.

Angesichts dieser Informationen mag in der Stadt mit dem Gänseliesel mancher gucken, „wie eine Gans, wenn es donnert“...



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