> Catharina von Rauschenplaten - ein Hauch von Unnahbarkeit
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> 3|09 stadtfuehrung

„Meine edlen Damen und Herren...“

„Von Hexen, Pest und Liebe – Göttingen im Mittelalter“.


> Catharina von Rauschenplaten ist reich. Überaus reich. Ihr Gürteltäschchen ist stets prall gefüllt. Mit Goldtalern. Darüber trägt sie ein edles Kleid aus bestem Stoff. Sie kommt aus dem 16. Jahrhundert – und sie arbeitet nun als Stadtführerin.

Wenn Ulrike Fehlau in in die Rolle dieser historischen Göttinger Bürgersfrau und die dazugehörige Kleidung schlüpft, umweht sie sogleich ein Hauch von Unnahbakeit. Und wenn sie die Teilnehmerinnen und Teilnehmer ihrer Führung begrüßt mit „Meine edlen Damen und Herren“, halten diese noch etwas mehr Abstand zur Zeugin der Vergangenheit.

Göttingen, ausgehendes Mittelalter. Unter den 5.000 Einwohnern wütet die Pest, Hexen treiben ihr Unwesen, und Betrügereien gehören zur Tagesordnung. Überall auf den Straßen lauern Diebesgesindel und finstere Gestalten ihren besser gestellten Opfern auf. Denen kann man nämlich ihren Reichtum ansehen. Auch Frau von Rauschenplaten erzählt gern davon, was sie alles besitzt, weshalb sie kostbaren Schmuck offen trägt und warum draußen mindestens ein Mann als Schutzbegleiter nicht von ihrer Seite weichen darf. Nicht unerwähnt bleibt die Todesstrafe durch den Galgen. Denn der symbolisiert Sicherheit für ihresgleichen – und kommt häufig zum Einsatz.

Ein blutrünstiges Pflaster, dieses historische Göttingen. Wegen Meineides konnte man ohne großen Prozess Gliedmaßen entfernt bekommen. Und ärgere Vergehen konnten einen ratzfatz den Kopf kosten, wobei die Henker handwerklich längst nicht so sauber arbeiteten wie die Guillotine. Gern hält Frau von Rauschenplaten ein Fläschchen mit rotem, leicht dickflüssigen Inhalt hoch. Das Blut eines gerade Enthaupteten sollten zu ihrer Zeit Epileptiker („Fallsüchtige“) zur Gesundung zu sich nehmen. Faszinierend und gruselig zugleich - ihr Angebot zum Probeschlückchen hat indes noch kein Stadtführungs-Teilnehmer angenommen...

Stolz präsentiert die Bürgersfrau das Wohnhaus ihrer wohlhabenden Familie. Natürlich beste Lage, also in Nachbarschaft der damals bedeutendsten Kirche der Stadt, der Johanniskirche, die mit ihren ungleichen Türmen bis heute das Stadtbild prägt.

Da stellt auch keiner Zwischenfragen, und besonders die Kinder lauschen muxmäuschenstill. Aber die Augen leuchten, wenn die vornehme Dame Goldtaler verteilt. Die sind zwar nicht ganz echt, aber der Inhalt schokoladenbraun und essbar...



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