> hallo - willkommen -
jetzt: Was ist das für ein Video?

Göttingen, vermutlich Dezember 2019 -
der längst fällige Beweis für die Existenz des Weihnachtsmannes?
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> 2|20 streitgespräch #2

"Der Weihnachtsmann existiert." - "Nein." - "Doch."

> Wie jedes Jahr im Dezember lagen auch 2019 bei den wohl renommiertesten Vertretern der deutschen Weihnachtsmann-Forschung die Nerven blank. Zudem kursiert jetzt - frei zugänglich - dieses Video. hallo hat deshalb gemeinsam mit VONWEGEN Prof. Dr. Erich Hirse und Dr. Jack Meinzel erneut zum Streitgespräch gebeten - und vorab die rätselhafte Filmaufnahme präsentiert.


VONWEGEN hallo (zeigen auf die Beamer-Leinwand): Herr Professor Hirse, Herr Doktor Meinzel, kennen Sie eigentlich dieses Video?

Meinzel (schaut): Nein.

Hirse (schaut): Nein.

VONWEGEN hallo (nachdem alle kurz geschaut haben): So. Denn die Kernfrage lautet doch...

Hirse: Wo haben Sie das her?

VONWEGEN hallo: Das Video?

Hirse: Ja.

VONWEGEN hallo: Das kursiert frei im Internet.

Hirse: Unglaublich.

Meinzel (murmelt, Hirse imitierend): Unglaublich...

VONWEGEN hallo (zu Meinzel): Was halten Sie denn von dem Film?

Meinzel: Fake.

VONWEGEN hallo: Wir lassen das gerade prüfen. Aber das Gutachten wird dauern.

Hirse: Was wollen Sie denn da bitteschön prüfen? Die ersten zehn Sekunden sind doch Beweis genug: Der Weihnachtsmann existiert.

Meinzel: Nein.

Hirse: Doch.

VONWEGEN hallo: So oder so: Feiern Sie Weihnachten aktiv?

Hirse: Ich gehe in die Kirche.

VONWEGEN hallo: Und Sie?

Meinzel: Da wird nichts gefeiert!

VONWEGEN hallo: Warum nicht?

Meinzel: Weil ich das nicht glaube, was die Wirtschaft verkündet.

VONWEGEN hallo: Was genau meinen Sie damit?

Meinzel: Dass der ab Ende November allgegenwärtige Santa Claus die allumfassende Rettung verspricht. Aber nur für diejenigen, deren Portemonnaie groß genug ist. Und das halte ich in Zeiten, wo Armut, Sinnsuche, Egomanie, Rücksichtslosigkeit und Verzweiflung grassieren, ja, geradezu wuchern wie, wie... das halte ich für unverantwortlich. Zumal es diesen Weihnachtsmann gar nicht gibt.

Hirse: Ich glaube ja eher, dass Sie, verehrter Herr Meinzel, eine große Sehnsucht verspüren, an jenen eben genannten zu glauben. Warum versagen Sie sich das eigentlich?

Meinzel (zitiert mit Zeige- und Mittelfingern): Zweimal 'glauben', einmal 'versagen'. Ihre Worte sprechen Bände. Und nur mal unter uns: In der Bibel steht: 'Wer nicht glaubt, wird verdammt werden'. Das ist doch Angstmacherei ohne jegliche rationale oder gar wissenschaftlich fundierte Basis. Was sagen Sie dazu?

Hirse: In der Bibel stehen noch ganz andere Sachen.

Meinzel: Aber nicht über den Weihnachtsmann.

Hirse: Jetzt bleiben Sie doch bitte sachlich.

VONWEGEN hallo (blicken sich an): Déjà-vu. Das hatten wir doch alles schon mal. Da würden wir jetzt gern mal...

Meinzel: Gern mal was?

Hirse: Ja was? Seit mehr als 2000 Jahren...

Meinzel: Werter Kollege, jetzt bringen Sie aber etwas durcheinander!


"Der 'Homo Festus Fest' symbolisiert doch das ewige Leben"

Hirse: Seit mehr als 2000 Jahren lehrt uns der Weihnachtsmann - Quatsch! - lehrt uns der, der am Kreuz...

Meinzel: Sie schweifen ab!

Hirse: Ohne Christentum jedenfalls wäre die Tatsache der eigenen Vergänglichkeit nicht denkbar. Will sagen: Mein Bewusstsein verblasst irgendwann, ich werde Teil des großen Ganzen... und das war's dann. Aber - und das halte ich für fundamental - die Existenz des Weihnachtsmannes - des 'Homo Festus Fest', wie mein, pardon, unser Kollege Lünemann so trefflich formulierte - symbolisiert doch das ewige Leben. Die unbegrenzte Existenz quasi.

Meinzel: Die unbegrenzte Existenz?

Hirse: Ja.

Meinzel: Die unbegrenzte Existenz?

Hirse: Ja!


(eine Pause entsteht)

Hirse: Und, werter Herr Meinzel, Sie werden doch mit mir darin übereinstimmen, dass 90 bis 95 Prozent aller bekennenden Christen glauben, dass der Weihnachtsmann existiert, als Person da ist, beziehungsweise als Gast erscheint, um uns Gaben unter den Baum zu legen. Und das allein ist ja wohl eine sehr versöhnliche Geste.

Meinzel (zündet sich eine selbstgedrehte Zigarette an, bläst dezent den Rauch aus)

VONWEGEN hallo (blättern in ihren Unterlagen): Hat das Christentum den Weihnachtsmann gepachtet?

Meinzel: Was sonst?

Hirse: Natürlich nicht. Außerdem erscheint mir diese Fragestellung zu stark an der gängigen Wirtschaftsideologie orientiert. 'Gepachtet...'

VONWEGEN hallo: Kann man Ihre konträre Antwort mit Ihrer jeweiligen Herkunft erklären? Herr Professor Hirse, Sie sind...

Hirse: ... Kind einer Pastorenfamilie, ja. Und ich bin es gern. Wenn ich zu einer muslimischen oder buddhistischen Familie gehörte, würde ich vielleicht nicht...

Meinzel (grinst): ... an den Weihnachtsmann glauben.

Hirse: Ganz genau!

Meinzel: So! Damit würde Religion von nichts anderem als geografischen Gegebenheiten abhängen. Dann kann ich doch nur, ich wiederhole: nur! als überzeugter Atheist und selbstbestimmter Weltbürger frei entscheiden, ob ich das Weihnachtsfest und den dazugehörigen Mann im roten Mantel und mit Bart...

VONWEGEN hallo (hastig): Bart ist das Stichwort: Wäre, Herr Professor, Herr Doktor, aus Ihrer Sicht etwas denkbar wie ein weiblicher Weihnachtsmann?

Meinzel (nachdenklich): Schon.

Hirse: Eine Weihnachtsfrau, oder was meinen Sie?

VONWEGEN hallo (schielen in ihre Unterlagen): Ja.


"Ying und Yang und so?"

Meinzel (fängt an zu weinen): Meine Mutter hätte das sofort unterschrieben. Und sie war weißgott keine Pastorin. Wir waren sieben Kinder, und wir hatten nur einen Schuh. Zusammen. Gehen Sie mal den Müll runterbringen, oder einkaufen... Mit einem Schuh! 42! Drei Nummern zu groß! Wenn Sie da nicht irgendwann im Kreis herumlaufen...

VONWEGEN hallo: Ja?

Hirse: ... glauben Sie irgendwann doch an Weihnachtsmann. Damit der Ihnen den zweiten Schuh bringt.

VONWEGEN hallo (zitieren mit Zeige- und Mittelfingern): Kann man somit den 'zweiten Schuh' gleichsetzen mit der Sinnsuche der menschlichen Existenz? Mit dem illusionären Miteinander durch alle Welten und Zeiten, Ying und Yang und so, ungeachtet der Hautfarbe, der Herkunft, der veganen Ernährung, dem Besuch im Zoo mit den Kindern, am Gehege der Schimpansen sinnierend über die eigene evolutionäre Entwicklung. Der erste Tausendfüßler! Soviele Schuhe...

Meinzel und Hirse (zeitgleich): Bitte?

VONWEGEN hallo (zeigen auf die Beamer-Leinwand): Stichwort 'Weihnachtsfrau' - Wollen wir uns nochmal das Video anschauen?

Meinzel: Nein.

Hirse: Wieso nein? Aber, pardon, ich kann Sie ja verstehen.

VONWEGEN hallo: Wie auch immer. Die Kernfrage lautet doch...

Meinzel: Weihnachtsmann gibt es nicht.

Hirse: Doch.

Meinzel: Arsch.

VONWEGEN (steht auf und geht): So. Mir reicht's.

hallo (irritiert): Äh... Pardon. Wie war jetzt die Kernfrage?

Hirse: Der Weihnachtsmann! Er existiert!

Meinzel: Hähä. Sie können - mit Verlaub - den Weihnachtsmann doch gleichsetzen mit dem... Yeti. Beide gibt's nicht und trotzdem...

Hirse: Trotzdem was?

hallo: Wie was?

Hirse: Ja was? Ich hatte den Weihnachtsmann mal selbst zu Gast. Das muss so Neunzehnhundert...

Meinzel (murmelt erst, lacht, wird lauter): So Neunzehnhundert... Jetzt kommen Sie mal auf den Punkt, Herr Kollege!


"Wissen Sie, was so ein Weihnachtsmann täglich isst und trinkt?"

Hirse: Gegenfrage: Wissen Sie, was so ein Yeti - Quatsch - was der Weihnachtsmann täglich isst und trinkt? Allein an Heiligabend?
Ich wusste es nicht. Sie sollten mal meine Supermarkt-Rechnung von damals sehen.

hallo (blättert in Unterlagen): Geld und Kapital spielt beim Weihnachtsmann ja auch nicht die übergeordnete Rolle wie bei... Marx for example.

Meinzel: Marx, das passt. Das war ja geradezu prophetisch, was dieser Mann geschrieben hat.

Hirse: Aber doch nicht über den Weihnachtsmann.

Meinzel: Jetzt bleiben Sie doch bitte sachlich.

Hirse: Bitte. Marx, das passt jedenfalls. Können Sie sich vorstellen, was der Weihnachtsmann anlässlich seines Besuches mit meiner geerbten Karl-Marx-Gesamtausgabe, Ledereinband, Schmuckgoldprint etcetera gemacht hat?

hallo: Vollständig gelesen?

Hirse: Vollständig stimmt. 'Gelesen' würde ich das allerdings weniger nennen. 'Was kostet die Welt' scheint bei Weihnachtsmanns wohl Lieblingsphilosophie zu sein. Aber - und das möchte ich betonen - ich kann damit leben.

hallo: Sind Sie denn angesichts dieser äh... Bescherung mit dem Ergebnis Ihrer Arbeit zufrieden?

Hirse: Bedingt.

hallo: Und der Yeti, Quatsch, der Weihnachtsmann?

Hirse: Weiß ich offen gesagt gar nicht.

Meinzel (zündet sich eine weitere Zigarette an): Weiß ich offen gesagt gar nicht. Hähä...

hallo: Wieso?

Hirse: Der ist sofort nach seinem Besuch weiter geflogen.

hallo: Wohin?

Hirse: Meine Güte! Woher soll ich das wissen?

Meinzel (bläst grinsend den Rauch aus): Man weiß' es nich'...

hallo: Herr Professor Hirse, Sie sagen, der Weihnachtsmann war bei Ihnen zu Gast. Woran können Sie sich noch erinnern?

Hirse: Gemach, gemach. Es ging alles sehr schnell. Aber ich habe noch sein Bild vor Augen, und wenn ich das mit dem Video vergleiche, darf ich sagen: Er hat sich überhaupt nicht verändert. Und das spricht doch sehr für die unbegrenzte Existenz, die er darstellt. Auch wenn er sich vielleicht etwas seltsam artikuliert hat.

Meinzel (kichert): Überhaupt nicht verändert, seltsam artikuliert...


(eine Pause entsteht)

hallo (überlegt): Verrückt. Ich habe gerade Bilder vom Weihnachtsmann und Jesus Christus vor Augen. Stellen wir uns mal vor, dass im Laufe von 2000 Jahren zwar ein minimal erkennbarer Alterungsprozess stattgefunden hat, und stellen wir uns weiter vor, die damals eher luftige Kleidung und das heutige Outfit mit Mütze und Mantel sind dem jeweiligen Klima geschuldet, dann könnten wir doch kombinieren, dass es sich um ein und dieselbe Person handelt. Alle warten auf ihn, und er kommt - pünktlich und unerkannt! - jedes Jahr, um uns seine Liebe zu schenken, der heutigen Gesellschaft angepasst natürlich in Form von Konsumgütern. Hier, wie dieser Beamer for example. ER erscheint an SEINEM Geburtstag, um UNS zu beschenken. Das ist doch der Hammer, oder?

Hirse: Das ist der größte Unfug, den ich je gehört habe!

Meinzel (kichert): Dito.

hallo (steht auf und geht): Vielen Dank für das tolle Gespräch.


(eine Pause entsteht)

Hirse: Wollen wir uns nochmal das Video anschauen?

Meinzel (steht auf und geht): Nein danke.

Hirse (steht auf und geht zum Beamer): So, und wie funktioniert das jetzt...?


(Ein älterer Herr mit Mütze und Bart erscheint): Kann ick helfen, Kolleje? Ditt Ding ha' ick ausjesucht. Ditt is' nich' ohne, wa.

Hirse: Ah, Sie kommen wie gerufen, Sie sind meine Rettung quasi. Und der Hausmeister, nicht wahr?

"Hausmeister": Wenn Sie ditt sahren, Chef... Und watt war jetz' ditt Problem?

Hirse: Ich würde mir gern noch Mal das Video anschauen.

"Hausmeister" (während er diverse Tasten bedient und auf Diverses deutet): Wenn Sie ditt sahren, Chef... Kriejen wa hin Chef, kriejen wa hin, wa. A' a wie ick schon saachte: Ditt Ding is' nich ohne. Hier jibt et nämlich ooch noch den Verteilerkasten, - hier - ditt sojenannte Läpptopp, und ditt is' hier allet verkabelt. So, Moment. Ach so, ick bin übrijens der Bruno.

Hirse: Ah, Herr... Bruno, ich würde mir gern noch Mal das Video anschauen.

Bruno: Welchet jetze?

Hirse: Das von vorhin. Das mit dem Weihnachts-Thema.

Bruno: Jeht klar, Chef. Kleenen Moment noch. So, jetz' ha' ick et uffm Schirm. Ab jehta!


(beide schauen, eine Pause entsteht)

Hirse: Unfassbar. Was sagen Sie dazu?

Bruno: Watt soll ick sahren, Chef? Sowatt seh' ick jeden Tach, unjelogen.

(Ein Telefon klingelt)

Bruno: Ja, Papa hier. (...) Ja, nee, allet klar, wa. (...) Ja, is jut, prima, danke, Kleene! (...) Ja, tschau, bis nachher. Ick hab' Dir lieb.

(wendet sich Professor Hirse zu)

Pardonski, ditt war meene Tochta, 'n echtet Sonnenkind, wenn ick ditt ma' so sahren darf. Die holt mich nachher ab. Wird aber später, ha' ick noch Zeit, wa, aba wenn Sie wollen, Chef, ick hätt' da ooch so'n feinet Tröpfchen, für zwischendrinne. Ick saach nur Rotwein, Südfrankreich, Atlantik, Zwölferkiste, Neunzehnhundertsiebenund...

Hirse (überlegt, schaut kurz auf seine Uhr): Herr... Bruno, wenn ich das als Einladung verstehen darf, und wenn ich anfügen darf: Ablehnen habe ich stets als eine Form von Unhöflichkeit empfunden.

Bruno: Wenn Sie ditt sahren, Chef. Pardonski, aba heeßt ditt jetz' ja oder nein?

Hirse: Ein klares Ja.

Bruno (geht zu einem Vorhang, zieht ihn beiseite, öffnet einen Stahlschrank, indem er Tasten und ein Drehrad bedient, kehrt mit einer Flasche und zwei Gläsern zurück): Jut, wenn Sie ditt so sahren, Chef. So, ick hab' hier'n janz feinet Tröpfchen für uns zwee beede, wa. Ditt is'n Château Cheval Blanc, Bordeaux Saint-Emilion, Jahrgang...

Hirse: 1947!

Bruno (entkorkt behutsam die Flasche): Schapoh, Chef.

Hirse (versonnen, während Bruno sich zu ihm an den Tisch setzt): Das ist ein Traum.

Bruno: Nee, ditt is' Rotwein. Karaffe? Wein muss atmen und so? Könn' wa uns von mir aus jerne sparen, watt mein' Sie, Chef?

Hirse: Sie sagen es.

Bruno (gießt vorsichtig ein): Bittesehr, Chef.

Hirse (schwenkt vorsichtig sein Glas, hält es gegen das Licht und schnuppert behutsam, hält das Glas zum Anstoßen entgegen): Ich bin sprachlos, wenn ich das mal so sagen darf. Chateau Cheval Blanc 1947... A la votre, Herr Bruno!

Bruno (stößt mit Hirse an): Jenau, alla wottre, Chef, prost! Und sahrense einfach Bruno. Ditt Herr vorweg klingt so nach feine Leute, wa.

Hirse und Bruno (nachdem beide behutsam geschlürft und geschluckt haben): Ahh...


(eine Pause entsteht, beide chillen und genießen den Inhalt ihres Glases, Bruno schenkt gelegentlich behutsam nach)

Hirse (plötzlich): Ach so, ich bin der Erich.

Bruno: Ditt freut mich, Chef.

Hirse: Und sagen Sie bitte nicht weiter Chef, ich bin der Erich.

Bruno: Denn sahren wa ooch Du, wa Erich?

Erich : Ach so, ja klar, Du, Bruno.

Erich und Bruno (stoßen nach einem improvisierten und leicht misslungenen Brüderschafts-Zeremoniell an): Auf Dein Wohl, Bruno! Auf Dich, Erich!

Bruno (bückt sich nach seiner Mütze): Hoppla! Wat is'n ditte?

Erich: Also wenn Sie mich... pardon, wenn Du mich so fragst, das scheint mir ein Tabakbeutel zu sein.

Bruno: Ditt seh' ick ooch so, Erich. Handjearbeitet, aus Leder, feinet Ding. Aba wo kommt ditt her?

Erich: Also wenn Du mich fragst: Der gehört meinem Kollegen Meinzel.

Bruno: Meinzel? Wie watt, Meinzel? Seid Ihr von die Meinzelmännchen, oder watt?

Erich (grinst): Bruno!

Bruno (schnuppert in den Beutel hinein): Ditt is' 'n ja janz feinet Kraut, wa. Da würd' ick glatt ma'...

Erich (neugierig): Glatt ma' watt, pardon: was?

Bruno: Na eene kurbeln, wa. Bleibt ja unter uns.

Erich: Selbstverständlich.

Bruno (geht zur Tür und schließt sie): So. Soll ick Dir ooch eene dreh'n? Also falls Du ooch eene roochen willst?

Erich (nimmt noch ein Schlückchen): Chateau Cheval Blanc. 1947... Ich rauche und trinke ja eher selten, nur bei Gelegenheit. In Gesellschaft, wenn es sich so ergibt. Mit anderen Worten... warum eigentlich nicht?


(eine Pause entsteht, beide rauchen)

Erich (betrachtet lange den Beamer): Kann ich mir noch was wünschen?

Bruno: Klar, imma... Erich.

Erich (betrachtet weiter den Beamer): Raumschiff Enterprise, erste Folge, das wär' ein Traum.

Bruno: Die erste bei uns damals in'n ZDF oder die erste überhaupt, also drüben in die Staaten, mein' ick?

Erich: Wenn ich das wüsste. Was ich jedenfalls noch weiß: Miss Uhura - die fand' ich immer toll - sagt zu Spock: 'Warum sagen Sie mir nicht, wie Ihr Planet Vulkan aussieht, in einer lauen Sommernacht, wenn der Vollmond scheint?' Und er: 'Der Vulkan hat keinen Mond, Miss Uhura.' Und sie: 'Das überrascht mich gar nicht, Mister Spock.'

Bruno: Ah, denn wees ick schon. Momentchen noch... So. Ab jehta!


(eine Pause entsteht, beide rauchen und schauen)

Erich: So war das also. Danke! Vielen lieben Dank.

Bruno: Die fand' ick ooch imma schaaf, wa Chef. Erich, mein' ick. Noch eene kurbeln? Bleibt ja unter uns.

Erich: Gerne! Vielen lieben Dank.


(eine Pause entsteht, beide rauchen)

Bruno (betrachtet lange den Beamer): Kann ick mir ooch ma' watt wünschen?

Erich (nimmt ein Schlückchen): Selbstverständlich.

Bruno: Jetz' pass' ma' auf... Erich.

Erich (zuckt plötzlich zusammen, als ein sehr lautes Brummen und Kratzen ertönt): Was war das?

Bruno (während er mit diversen Kabeln und Steckern hantiert): Oh, pardonski. Ditt is' so'n kleenet Problem, wenn man ditt hier an die Sound-Anlage anschließen will. Ha' ick schon so oft an die Chef-Etage weiterjejeben, wa. Aber is' bisher nüscht passiert.

Erich: Und ich dachte schon... Da bin ich jedenfalls beruhigt. Was zeigst Du uns denn Schönes?

Bruno: Jetz' pass' ma' auf. Hinsetzen und Anschnallen, sa' ick immer. Ditt kennste jarantiert noch nich'.


PAUSE


Erich: Phantastisch! Was war das? '2001 - Odyssee im Weltraum', Schluss-Sequenz, klar. Aber unterlegt mit Musik von... Pink Floyd. 'Meddle'. 'Echoes'.

Bruno: Hammer, wa.

Erich: Phantastisch! Es gibt ja Cineasten, die sagen: Die besten Minuten der gesamten Film-Geschichte. 'Jupiter - beyond the Infinity'.

Bruno: Watt heest'n ditt eijentlich?

Erich: Also mit meinen Englisch-Kenntnissen würde ich das wie folgt übersetzen: 'Jupiter - jenseits der Unendlichkeit'.

Bruno: Ah, siehste, danke, Hammer, wa.

Erich: Phantastisch! Darf ich mir noch etwas wünschen?

Bruno: Immer, wa.

Erich: 'Interstellar' fände ich jetzt wunderbar. Es wird ja gelegentlich unter Fachleuten diskutiert, ob das die einzig legitime - weil logisch konsequente - Fortsetzung von '2001' darstellt. Vielleicht sollte man aber eher von Weiterführung sprechen, allein wegen der Berücksichtigung rein physikalischer Gegebenheiten auf dem aktuellen Stand der Astro- und Quantenforschung. Also allein schon, wenn es um die analoge Umsetzung - oder müsste man jetzt eher sagen: digitale Umsetzung - unter Zuhilfenahme der derzeit möglichen Film-Technik geht.

Bruno: Pardonski, aber kannste ditt noch ma' wiederhol'n, bitte?

Erich (hebt sein Glas und leert es): Weil Du's bist, Bruno. 'Interstellar' fände ich jetzt wunderbar. Fachleute diskutieren ja immer mal wieder, ob das die einzig legitime - weil logisch konsequente - Fortsetzung von '2001' darstellt. Vielleicht sollte man aber eher von Weiterführung sprechen, allein wegen der Berücksichtigung rein wissenschaftlicher Erkenntnise auf dem aktuellen Stand der Astro- und Quantenphysik. Also, wenn es um die analoge Übersetzung, pardon... Umsetzung - oder müsste man jetzt eher sagen: digitale Realisation... Realisierung - unter Zuhilfenahme der derzeit möglichen... des derzeit Möglichen geht.

Bruno (deutet auf Beamer, Leinwand und die Lautsprecher): Allet da, wa.

Erich: Dieser unglaubliche Regisseur Kubrick hätte '2001' garantiert anders gedreht mit diesen... Möglichkeiten.

Bruno: Janz jenau. Jupiter jing ja, aber Saturn nich'.

Erich: Wegen der Darstellung der Ringe.

Bruno: Janz jenau. So, denn' mach' ick ma' 'Interstellar', wa. Ooch 'ne bestimmte Stelle, oder ditt janze Programm?

Erich: Die Passage, in der Jupiter, Quatsch, Saturn mit seinen Ringen auftaucht, das würde mir schon reichen. Kann auch gern ohne Ton sein.

Bruno: Jebongt. Momentchen noch, wa.


(eine leise Pause entsteht, beide schauen)

Erich: Soo schön.

Bruno (schaut auf die leere Flasche): Seh' ick ooch so, wa, obwohl: Darf ick mir... uns zwee beeden noch watt erlauben, Erich?

Erich: Da widerspreche ich äußerst ungern.

Bruno (steht auf und geht zum Schrank): Denn hol' ick uns noch ma' so'n Tröpfchen, okeh?

Erich: Selbstverständlich natürlich, vielen lieben herzlichen Dank.

Bruno (kehrt mit einem weiteren Chateau Cheval Blanc 1947 zurück): Imma wieder jerne, wa.

Erich: Ein Traum.

Bruno (nachdem er vorsichtig entkorkt und nachgeschenkt hat): Klar, imma.

Erich (kostet): Ahh...

Bruno (kostet): Ahh...

Erich (sinniert): Es ist ja nur so eine Idee...

Bruno: Ideen sind imma jut.

Erich: Also kurz gefragt: Der Urknall, hast Du den hier auch parat?

Bruno (während er dieses und jenes einstellt): Imma. Aber denn mach' ick ma' leiser, wa.

Erich (zuckt zusammen, als ein sehr lautes Brummen und Kratzen ertönt, und lässt fast sein Glas fallen): War das jetzt etwa schon...

Bruno: Der Urknall? Nee, aber so 'ne Art Vorjeschmack. Außerdem brauchen wa dafür ditt große Besteck, wa.


(Er holt aus dem Schrank eine Fernbedienung, betätigt sie, und mit einem sehr leisen Surren fährt die Rückwand des Raumes mitsamt der Leinwand nach oben. Dahinter befindet sich eine Art Saal, dessen Ausmaße nur schwer zu erahnen sind und dessen Rückwand mit einer gigantischen, sanft leuchtenden Leinwand ausgefüllt ist, die von einem Lautsprecher-System vollständig umrahmt zu sein scheint)


Bruno (betätigt die Fernbedienung): So, der Urknall, ab jehta!


(beide schauen, eine Pause entsteht)


Erich: Ich bin sprachlos.

Bruno: Jenau so jeht et mir ooch imma.

Erich (führt mit leicht zitternder Hand sein Glas zum Mund): Unfassbar.

Bruno: Da is' der Weihnachtsmann 'n ziemlich kleenet Licht jegen, wa?

Erich: Der... Ich bin sprachlos.

(Es klopft an der Tür)


fortsetzung: folgt.


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